Was semantische Suchmaschinen „sehen“ und „verstehen“

Was semantische Suchmaschinen „sehen“ und „verstehen“

Die Suchmaschinen werden erwachsen. Sie verstehen inzwischen nicht mehr nur, dass eine Ansammlung von Wörtern einen Bedeutungsschwerpunkt darstellt. Wir machen uns darauf gefasst, dass sie auch die Wörter zwischen den Wörtern interpretieren können. Jetzt wird SEO erst richtig spannend…

Bedeutung greifbar machen. Traditionell sprechen Suchmaschinenoptimierer hier von der Platzierung themenrelevanter Keywords in Textelementen auf der Webseite.

Wie in einer Bibliothek

Ein Vorgehen, das auch bei der Systematisierung von Bibliotheken greift, wenn Publikationen nach Schlagworten sortiert sind. Bei Webseiten werden jedoch Stichworte platziert, die anders als Schlagworte frei gewählt werden können. Entsprechend wichtig ist es, ein Stichwort zu wählen, dass die jeweilige Seite inhaltlich richtig zusammenfasst. Das zahlt sich heute schon aus, da die Suchmaschinen in Sachen semantischer Suche immer besser werden.

Der Text macht den Sinn

Denn Suchmaschinen erschließen die Bedeutung einer Seite aus den Begriffen, die im title, in der description und in den Fließtexten auf der Seite enthalten sind. Ziel der inhaltlichen Optimierung ist es daher, die Bedeutung/Semantik jeder Landingpage für die Suchmaschine greifbar zu machen. Perfekt ist die inhaltliche Optimierung dann, wenn die Landingpages die Domain in allen ihren Bedeutungsfacetten verstehbar machen. Hier wird auf die semantische Kompetenz der Suchmaschinen gesetzt. Mit anderen Worten: Wir gehen davon aus, dass die Suchmaschinen Bedeutungsbeziehungen von sprachlichen Ausdrücken im Text verstehen und den Kontext erschließen können.

Diese Bedeutungsbeziehungen können dabei unterschiedlicher Natur sein. Die bekannteste ist die
Synonymie (anfangen – beginnen), bei der eine direkte Bedeutungsgleichheit gegeben ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn dieselbe Sache mit verschiedenen sprachlichen Ausdrücken formuliert ist. Diese Bedeutungsrelation ist zwischen mehreren Begriffen möglich, und ist auch dann gegeben, wenn ein Satz durch ein Wort ersetzt werden kann. Wir kennen das als paraphrasieren.
Solche direkten Bedeutungsgleichheiten sind jedoch nicht so häufig. Viel häufiger stoßen wir auf den Fall der
Bedeutungsähnlichkeit (Bach – Teich – Fluss – See – …). Hierbei sprechen wir von einem Wortfeld, welches optimal in einem Fließtext abgebildet werden kann. In diesem Fall lässt sich das Wortfeld unter einem Oberbegriff zusammenfassen. Die Bedeutungsrelation der
Heteronymie/Inkompatibilität beschreibt hingegen ein Wortfeld, das eine inhaltliche Verbindung nur in einer Dimension abbildet. Im Beispiel der Farbbegriffe (blau – grün – gelb – rot – …) besteht der semantische Bezug darin, dass es sich eben nur um Begriffe handelt, die Farben beschreiben. Bei Wortfeldern sprechen wir nicht immer nur von semantischer Gleichheit. Bei der Komplementarität/Kontradiktion (endlich – unendlich) ist zwar ein inhaltlicher Gegensatz gegeben, die Begriffe beschreiben dabei einen selben Sachverhalt aus zwei gegensätzlichen Sichtweisen. Einen ähnlichen Gegensatz beschreibt auch die Antonymie/Kontrarität (heiss – kalt), doch versammeln sich zwischen diesen Begriffen inhaltliche Abstufungen. In diesem Beispiel wären „warm“ und „lauwarm“ denkbar. Begriffe müssen sich nicht nur ähneln oder eine Abstufung darstellen, sondern können auch eine Veränderung einer Bedeutung beschreiben. Verschiedene Formen der Konversion (kommen – gehen) ergeben sich bei Wortpaaren, die eine Bedeutung aus zwei verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. Eine ganz häufig verwendete Bedeutungsrelation stellt die Verwendung von Ober-und Unterbegriffen (Hyperonymie und Hyponomie) dar.

Verstehen und abgrenzen

Die verschiedenen Formen der Bedeutungsrelationen helfen dabei, ein Thema oder Begriff aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Je eindeutiger der Inhalt interpretierbar ist, desto besser kann er einem Suchbegriff zugeordnet werden und desto besser grenzt er sich von anderen Texten ab. Bei der inhaltlichen Optimierung von Webseiten für die Suchmaschine kommt es nicht nur darauf an, die Money-Keywords zu platzieren. Viel wichtiger ist es, diese in den richtigen Kontext zu setzen.

Für die Linguistik-Fans

Mehr zum Thema Semantik:
Linke, Angelika; Nussbaumer Markus; Portmann Paul R.: Studienbuch Linguistik. 5. Auflage. Tübingen 2004, S.160ff.