Drohnen leiten die neue Ära der Mobilität ein – ist damit das Automobil am Ende?

Seit Tesla auf den Markt kam denke ich schon auf diesem Projekt herum. Warum sollte ich mich in einem autonom fahrenden Auto in den Stau stellen? Wäre es nicht viel cleverer, einfach über den Stau hinweg zu fliegen?

Shanghai highway

Mein erster Gedanke war damals, eine kleine fliegende Drohne zu bauen, die eine Person und einen kleinen Koffer befördern kann. Der Gedanke war leider nicht neu. Der Volocopter steckte damals noch in den Kinderschuhen und vollzog die ersten Flugversuche. Heute scheint der Quadrocopter weitaus besser entwickelt und stabiler. Bei etwas Recherche stellte sich dann heraus, dass die Chinesen noch weiter sind. Deren Vision der zukünftigen Mobilität sieht vor, Menschen zwar auch per Drohne zu befördern, allerdings im Stile eines Taxis. Sprich, der Mensch in der Drohne wird geflogen. Die Piloten sind in einem Control-Center und lenken die Drohne aus der Ferne zur Sicherheit.

 

Airbus arbeitet mittlerweile auch an einer Lösung der Verkehrssituation im Sinn kleiner Ein-Personen-Drohnen. Erste Tests sind bereits erfolgreich absolviert worden.

Und jetzt ist zu lesen, dass auch Larry Page in die „Air-Mobility“ investiert. Der Schritt kommt also nicht überraschend, wenngleich einige meiner renommierten Kollegen die Massennutzung noch in weiter Ferne sehen. Ich denke, das Fliegen (oder geflogen werden) wird gar nicht mehr so lange dauern. Die größten Bedenken sind in Gesprächen oft Sicherheit und Vermögen der Piloten. Aber mal ganz ehrlich… für das Fahren eines Autos brauchen wir auch einen Führerschein und wie sicher das KFZ ist, ist ja hinlänglich bekannt. Und wenn autonomes Fahren die Straße revolutionieren soll, dann schauen wir doch mal an den Himmel – Autopiloten gibt es seit Jahrzehnten, sogar „Auto-Landing-Systeme“ sind in der Luftfahrt Standard – warum sollte das nicht auch für Ein-Personen-Drohnen nutzbar sein?

Die technologischen Schritte für eine neue Ära der Fortbewegung sind somit schon lange eingeleitet, wenn jetzt noch die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, dann freue ich mich darauf, in 10 Jahren nicht mehr morgens im Stau zu stehen, sondern in die Arbeit zu fliegen. Den Führerschein dafür werde ich schon bestehen. Und wenn ich zur Arbeit fliege, dann redet niemand mehr über die Lieferung per Drohne – das wird dann ganz schnell der Alltag.

Was bedeutet das jetzt aber für VW, Audi, Porsche, BMW, Mercedes und Co?

Erst einmal wahrscheinlich gar nichts. Das KFZ wird nicht in den kommenden Jahren von der Straße verschwinden. Noch dazu wird die Beförderung per Drohne wahrscheinlich nicht ganz günstig sein. Dennoch stellt sich die Frage, ob und wie die Automobilindustrie reagieren kann und sollte.

Der wahrscheinlich sinnvollste aktuelle Schritt ist: „Füße stillhalten und beobachten“ und nicht zwingend den Fehler der Banken machen, jedes Start-Up zu kaufen, nur weil ein Hype-Thema im Namen steht (siehe „Blockchain“). Dennoch sind die Hersteller gefordert, den Menschen neue und vor allem nutzenstiftende Funktionen und Lösungen für die Mobilität anzubieten. Dazu zählen unter anderem E-Mobilität mit ausreichend Lade-Optionen oder intelligente Navigations-Systeme, bei denen sich die Autos untereinander abstimmen, und möglicherweise bessere Routen berechnen um Staus und Unfälle zu vermeiden. Auch das ist in der Luftfahrt schon Gang und Gebe, nennt sich TCAS.

Auf lange Sicht allerdings sollten sich die Automotive-Konzerne auf die Konkurrenz aus der Luft einstellen. Eine mögliche Option wäre der Kauf von starken Air-Mobility Herstellern, eine andere die Bereitstellung von Infrastruktur, wieder eine andere die Bereitstellung von Ressourcen und damit Schaffung von Partnerschaften, die bis in die Service-Bereiche reichen – denn wahrscheinlich wird auch bei der Air-Mobility die „letzte Meile“ die Herausforderung, die es auch bei vielen fliegenden Drohnen noch zu bewältigen geben wird.

Daher der Aufruf an die Konzerne, sich jetzt damit zu beschäftigen, wie die Welt in 10 Jahren aussehen kann. Die aktuellen Schritte, Autos online zu bekommen in allen Ehren – nur jetzt sollten die Weichen gestellt werden, wie sich das Business der Automotives in 10 oder 15 Jahren gestalten kann und sollte. Es muss nicht immer die totale Innovation sein – es reicht oft aus, wenn aufkommende Probleme der Nutzer im Vorfeld erkannt und gelöst werden – denn auch bei der Air-Mobility wird convenience neben Sicherheit und Preis ein entscheidender Faktor werden.

 

Alexander Käppler

digital expert
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