Google forciert Instant-Apps – geht es wirklich um Usability oder ist das der notwendige Schritt zum lukrativen Assistenten?

 

Google hat auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai 2017 angekündigt, dass die Zeit der Instant Apps gerade erst begonnen hat.

Doch, was sind eigentlich Instant Apps und was könnte die strategische Vision hinter dem Forcieren der Instant-Apps sein?

Instant Apps werden als Qualitätsoffensive Googles erklärt. Die Technologie bewirkt, dass ein Nutzer nach einer Websuche oder bei Bedarf eine App nicht mehr komplett installieren muss, sondern diese einfach in Teilen ge-streamt wird. Dabei wird die App schon in der Entwicklung (bei der Programmierung) in Module geteilt, so dass bei Bedarf nicht mehr die komplette App heruntergeladen und installiert werden muss, sondern eben nur noch die relevanten Teile temporär auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden.

Google argumentiert diesen Schritt damit, dass sich so die Qualität der Nutzererfahrung verbessern soll. Smartphones, die nicht den High-End Anforderungen mancher Apps entsprechen, sollen so auch für diese Nutzer benutzbar gemacht werden. Noch dazu scheint das eine Reaktion auf das Nutzerverhalten vieler Android-User zu sein, Apps schnell nach der einmaligen Nutzung/ Problemlösung wieder zu deinstallieren.

Nur, ist das wirklich der einzige Grund – mehr Usability und Komfort für Android-User?

Ich denke, hier platziert Google einen strategischen wichtigen Anker, der Amazon und Alexa in ernsthafte Bedrängnis bringen kann.

Wie bereits in verschiedenen Artikeln geschrieben, geht der Weg immer weiter hin zu Assistenten. Google hat ebenfalls auf der I/O verkündet, dass der Google Assistent noch weiter ausgerollt wird, jetzt sogar auf Apple Geräten verfügbar sein soll. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Nutzerführung bei dem Amazon Assistenten Alexa, so fällt auf, dass man vor der Nutzung eines Skills, diesen erst mit seinem Alexa/ Amazon Konto verbinden muss. Erst nach dieser Verbindung steht der Skill dem User im Alexa-Kontext zur Verfügung, und auch nur, wenn man das richtige Startkommando kennt, um den Skill zu aktivieren. Diese Unzulänglichkeit in der Usabiliy habe ich schon mehrfach kritisiert, denn wer will sich denn erst per App einen Skill aktivieren, um ihn dann nutzen zu können? Erst Recht, wenn ich unter Umständen den passenden Skill gar nicht kenne?

An dieser Stelle kommen jetzt meines Erachtens die Google Instant Apps ins Spiel. Aus Nutzersicht sieht es doch so aus: Ich habe ein Problem, mit welchem ich mich an meinen Assistenten wende. Hat der Assistent die Funktion nicht – Pech gehabt. Im Amazon Universum muss ich wie gesagt, den für mein Problem passenden Skill erst einmal aktivieren.

Durch das Forcieren Googles, Instant Apps erstellen zu lassen, kann dieser lästige Prozess ausgehebelt werden. Je nach Problem, welches ich dem Google Assistent mitteile, kann dieser dann Module oder eine komplette App vollständig aber eben nur temporär installieren. Damit wird mir als Nutzer die Last genommen, mich für den richtigen Skill zu entscheiden und Google bekommt so die Möglichkeit an die Hand, unterschiedliche Skills für ein und dieselbe Problemlage an den Usern zu testen.

Damit wird aus meiner Sicht auch die unter heise.de aufgestellt These, Googles Assistent habe kein Geschäftsmodell, fragwürdig. Denn, kann Google verschiedene Apps und Module am User „ausprobieren“, stellt sich sofort die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl des temporären Skills auf dem Google Assistenten erfolgt. Und hier kann ich mir neben Qualität des Dienstes auch ein CPO- oder Auktionsmodell vorstellen, welches nach den Regeln von AdWords funktioniert. Um ehrlich zu sein, ist das sogar eine sehr clevere Art, die neue Gelddruckmaschine zu erschaffen. Während bei Alexa nach einer Suche nur ein Produkt im ersten Schritt zur Auswahl steht, kann Google sich hier die Möglichkeit offenhalten, verschiedene Produkte oder Dienste anzuzeigen – je nach Gebot. Ebenso entfällt der lästige Aktivierungsprozess eines Skills – macht alles der Assistent automatisch. So stelle ich mir Nutzerfreundlichkeit und Sinnhaftigkeit der Skills vor – wie schon geschrieben, das ist der Weg, den Skills nehmen werden um damit mittelfristig die Apps zu ersetzen. Genau über diesen Weg wird es möglich sein, das volle Potenzial eines Assistenten mit unbegrenzten Fähigkeiten auszuschöpfen, und zwar ohne den Benutzer mit „Denken“ zu belästigen.

An alle Entwickler von Android-Apps lautet also die Botschaft – Umstellen auf Instant-Apps, und zwar nicht erst nächstes Jahr, sondern jetzt anfangen.

Für alle die Unternehmen, die noch keine eigenen Apps erschaffen haben – jetzt ist die Zeit, sich damit zu beschäftigen, um auch im Zeitalter der Skills beim Nutzer präsent zu sein!

 

Gerne unterstützen wir Sie in der Konzeption und Umsetzung Ihrer ersten und jeder weiteren App – denn wenn nicht heute, wann dann wollen Sie anfangen, Ihr Geschäft in die Zukunft zu führen?

 

 

ALEXANDER KÄPPLER

digital expert
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