Sport Innovationen 2018: Die Tech-Games in Pyeongchang

Wer wissen will, wie die Zukunft des Sports aussieht, kommt heuer nicht an Südkorea vorbei. Wir haben uns im Vorfeld in der Olympiastadt Pyeongchang umgeschaut – und aus all dem Tech-Buzz die Sport Innovationen 2018 destilliert.

Olympia 2018 Header | diconium

Seit jeher nutzen Austragungsländer die Olympischen Spiele zur Demonstration ihrer technologischen Überlegenheit. In Pyeonchang erlebt das Schaulaufen der Sport Innovationen einen neuen Höhepunkt – denn kaum eine Nation ist so erfinderisch wie Südkorea.

Schon im Sommer 2017 wurden Reisende am Flughafen Pyeongchang von Robotern begrüßt, die den Ankömmlingen mit Rat und Tat zur Seite standen. Eine Generalprobe für die Olympischen Winterspiele und ein Vorgeschmack auf das, was uns in diesen Tagen erwartet. Alle Zeichen stehen auf Innovation und Zukunft: Um Sprachbarrieren zu überwinden, werden Übersetzungssysteme auf Basis künstlicher Intelligenz eingesetzt, autonome Busse befördern Besucher zu den Veranstaltungsorten, Wettbewerbe werden in der virtuellen Realität verfolgt und die 8K TV-Übertragung feiert Premiere.

Das sind unsere Top 5 Sport Innovationen 2018. 

1| Wearables 2.0

Olympia Wearables | diconium

Zeit für die zweite Generation der Wearables – und für eine Emanzipation vom Handgelenk. Denn „klassische“ Fitness-Tracker sind von gestern, Marken wie Jawbone oder Fitbit wurden entweder eingestellt oder verlieren rapide an Marktwert. Tragbare Messgeräten werden in Zukunft unsichtbar und vielseitiger sein. Man wird sie in Kopfhörern, Handschuhen, T-Shirts finden, wo sie – vernetzt in einem smarten Ökosystem – immer genauere Daten erfassen. Ob allerdings die Zeit für die hirnstimulierenden Kopfhörer von Halo wirklich schon gekommen ist, bleibt fraglich.

2| Immersive Spectatorship

Beim Deutschen Sportfernsehen (DSF) hieß es schon in den 90ern „Mittendrin statt nur dabei“. Zeit für ein Revival des vielzitierten Media Claims. Die Technik macht’s möglich – allen voran die virtuelle Realität. Best Seats im Stadion ohne die Couch zu verlassen – kein Problem.  Ein weiterer Trend: der Zuschauer als Regisseur. Dank Smart TV und Internet können Sportbegeisterte nicht nur das eigene Programm zusammenstellen, sondern auch Kamera-Perspektiven auswählen, Wiederholungen anschauen, Erklärvideos einblenden.

Olympia Immersion | diconium

3| Smart Arena

Olympia Arena | diconium

Schneller Wlan-Empfang sollte selbstverständlich sein, doch oft fehlt die passende Infrastruktur in den Stadien. Nicht so in Pyeongchang: Südkorea verfügt ohnehin über die schnellste Breitbandverbindung der Welt, die Konnektivität wird durch die Einführung eines 5G-Mobilfunknetzes in den Spielstätten weiter verbessert. So werden den Besuchern Live-Streaming, die Nutzung von AR Features oder Live-VR-Erlebnisse ermöglicht. Eine hohe mobile Bandbreite kann auch in unseren Stadien den Service revolutionieren:  Vom Sitzplatz aus Essen ordern, die Toilette mit der kürzesten Schlange finden, Statistiken in Echtzeit anschauen – die Möglichkeiten sind unbegrenzt (und wären technisch heute schon durch eine einzige App realisierbar).

4| Athlete Data

Sportler-Daten (Ernährung, Schlaf, Leistung, etc.) nicht nur sammeln, sondern auswerten und nutzen, das ist die Zukunft der Perfomanceoptimierung. Unternehmen werden sich auf bestimmte Bereiche spezialisieren und mit anderen Unternehmen Synergien eingehen, um dann über einen gemeinsamen Provider ganzheitliche Services anzubieten. Eine potenzielle Goldgrube sowohl für B2B als auch B2C-Unternehmen. Ein Praxisbeispiel: Samsung hat zwei niederländische Eisschnellläufer mit Sensorik-Anzügen ausgestattet. Diese übermitteln Daten über die Körperposition und ermöglichen Adhoc-Korrekturen. Die Anzüge werden übrigens nur im Training getragen, ein Start im Rennen wäre digitales Doping.

Olympia Data | diconium

5| eSports

Olympia esports | diconium

Es gibt Trends, die sind gekommen um zu bleiben. Dazu zählt gewiss auch eSports. Vom Mainstream lange Zeit belächelt, hat sich der digitale Wettstreit zum weltweiten Phänomen entwickelt. Auch in Deutschland wächst die elektronischen Sportarten rasant: Bereits in drei Jahren wird das das Marktvolumen schätzungsweise rund 130 Millionen Euro betragen, was einem Durchschnittswachstum von über 25 Prozent entspricht. Selbst die Fußballclubs der Bundesliga gründen mittlerweile professionelle eSports-Teams. Im aktuellen Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD heißt es nun, man wolle „eSports künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen“. Vielleicht ist der digitale Sport ja bald schon reif für Olympia.