Kassenbon-Pflicht – ein Gesetz contra Umwelt und Steuersünder

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Alexander Käppler
senior digital consultant
…oder wie mein geschätzter Kollege meinte: „ich gebe dir recht, das Gesetz ist schwachsinnig“. Doch kurz von vorne.

Wenn ich heute in einen Laden gehe, sagen wir mal einen REWE, EDEKA oder ALDI und an der Kasse vorab sage: „danke, ich brauche keinen Kassenzettel“, dann geht das einfach so. Die Kasse registriert den Umsatz, also die Buchung, druckt jedoch keinen Zettel aus und ich denke mir, ich habe etwas für die Umwelt getan, weil ich keinen 20-cm-langen Zettel Thermopapier ausdrucken ließ für meine 2,49 Euro Umsatz.

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Kassenbon-Pflicht – ein Gesetz contra Umwelt und Steuersünder

Das wird sich nach aktueller Gesetzeslage ab 1.1.2020 ändern. Ab Januar 2020 besteht eine „Ausgabepflicht“ für jegliche Belege. Ziel soll die Verhinderung von Steuerbetrug sein, zur Schaffung von mehr Transparenz. Witzig ist dabei, es besteht keine Mitnahmepflicht. Wenn ich also zukünftig in einen Laden gehe und etwas kaufe, dann muss der Bon ausgedruckt und mir gegeben werden. Doch was mache ich dann mit dem Papier? Soll ich diese ganzen Zettel dann sammeln für das Finanzamt bei einer Kontrolle? – Ach nee, es gibt ja keine Mitnahmepflicht… 

Wenn ich mir die überwiegende Zahl an Kassensystemen anschaue, dann protokollieren die derzeit schon fälschungssicher, warum also so eine Umweltsünde beschließen? Apropos, bei dem Begriff „fälschungssichere Speicherung“, auch für vergangene Buchungen, kam ich reflexartig auf den Gedanken an eine Blockchain-Lösung. Diese Technologie ist dazu out-of-the-box in der Lage – nur wie auch bei einer Registrierkasse, einem Quittungsblock oder sonstigem Speichermedium, ist es entscheidend, was gespeichert werden soll. Die Quelle des Problems ist damit nicht die Kasse, die Technologie und schon gar nicht der Kassenzettel, sondern derjenige, der die Buchung eingibt (oder eben auch nicht). Das Problem der Steuertransparenz/des Betruges wird somit aus meiner Sicht nicht behoben, sondern es werden dem bereits rückläufigen Einzelhandel weitere Steine in den Weg gelegt – gerade kleineren Händlern wird hier das Leben ernsthaft schwerer gemacht, als es sein müsste.

Schaut man in Richtung Umwelt, dann scheint dieses Gesetz auch eher wenig überlegt zu sein.

Seit Monaten demonstrieren Fridays for Future, Extinction Rebellion und andere für Klimaschutz und bessere Umweltschutzmaßnahmen, und dann wird ein Gesetz verabschiedet, welches so ziemlich das Gegenteil von Umweltschutz darstellt. Ist da niemandem aufgefallen, dass die Mehrheit der Kassenzettel auf Thermopapier gedruckt werden? Ist nicht bekannt, wie umweltschädlich und nicht nachhaltig diese Papierart ist? Und noch dazu mal die Sicht aus Konsumentensicht… meine These ist, dass 80 bis 90% der Kassenzettel direkt am Eingang in einer Mülltonne landen (sofern da eine steht). Somit wird Thermopapier für die kurze Strecke von Kasse bis Ausgang genutzt – ziemlicher Unsinn, aus Kunden- und Umweltsicht. Jedoch: folgt man dem Glauben von Achim Post (stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag), dann ist der Hauptleittragende der „Steuersünder“. Klar, weil jeder Einzelhändler, Gastronom oder Kaufmann per se ein Steuersünder ist. Die eigentlichen Hauptleidtragenden werden Konsumenten, Händler und Umwelt sein.

Doch jede Medaille hat ja bekanntlich auch eine zweite Seite. Diese stellt sich bei der aktuellen Gesetzeslage so dar, dass die Kassenzettel auch in digitaler Form ausgegeben werden können. Ich bin begeistert. Frage ist nur, auch wieder aus Kundensicht – wie soll das EU-weit funktionieren?
 

Option A) Jeder kann sich jetzt die App von LIDL, ALDI, REWE und Co. besorgen. Dort kann man dann  seine privaten Daten angeben (die App fungiert ja auch als Kundenkarte); und dann die Kassenzettel per Mail oder Push erhalten. Wäre eine gute Kombination aus Kassenzettel-Digitalisierung und Haushaltsbuch. Zu dumm nur, dass die Anpassungen bei den Kassen und vor allem bei kleineren Einzelhändlern nicht so einfach, schnell und kosteneffektiv realisierbar sein werden. Noch dazu: Wer möchte sich denn von jedem Laden, in dem er einmal oder auch mehrmals einkaufen geht, gleich die App laden und dann noch seine persönlichen Daten angeben?
Option B) Kontrollstufe „Vollgas“. Warum stellt denn das Finanzministerium nicht gleich eine App zur Verfügung? Die Funktionen könnten die gleichen sein wie aus Sicht jedes einzelnen Händlers, allerdings mit nur einem Login. Wir Konsumenten brauchen dann nur noch einen Login, am besten gleich die lebenslang gültige SteuerID nutzen. Auch aus Sicht des Finanzamtes viel besser: das Finanzministerium hätte so direkt alle Einkaufsdaten von allen Händlern und allen Kunden gebündelt. Könnte das nicht der Segen sein, die Steuererklärung mal ernsthaft zu vereinfachen?
Option C) Die Alternative zu A und B könnte auch eine App wie NuBON sein. Dieses Geschäftsmodell sah im Grunde die Digitalisierung des Kassenzettels vor – ein zentraler Anbieter, der jedoch nicht dem Finanzamt untersteht. Leider scheint hier das Ende schon besiegelt – hätten sie mal noch eine kleine Weile durchgehalten, die Händlerschaft hätte das Produkt wahrscheinlich gefeiert.


Alles in allem bleibt für mich nur das Fazit und der Ausblick, dass wir wahrscheinlich ab Januar alle mit noch viel mehr Zettelkram konfrontiert werden, das Papier maximal unsinnig und damit verschwenderisch eingesetzt wird und wir uns alle nach 2 bis 3 Monaten an den Unsinn gewöhnt haben werden. Umweltgedanken? Ach komm schon, wir fahren Kohleverstromung zurück, schalten AKWs ab und produzieren Windenergie – da kommt's doch auf die paar Zettel nicht an, oder?

Thanks for nothing.

Sollten wir uns nicht an diese Art der Verschwendung gewöhnen können, dann sehe ich die Option C ernsthaft als sinnvolle Variante an. Um den Kritikern bzgl. Datenschutz und gläserner Kunde etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, könnte man das Ganze ja wirklich auf einer Blockchain aufsetzen. Denn wenn ich den Hintergrund richtig verstanden habe, geht es ja um die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und nicht um Konsumentenkontrolle. Warum also nicht ein pseudonymes Medium nutzen, ohne persönliche Daten? Das wäre sogar die Chance für den Handelsverband Deutschland (HDE), einmal mehr zu zeigen, wie er sich für die Händler einsetzt. Warum nicht statt immer nur kritisieren und beklagen, endlich mal einen Blick auf die andere Seite der Medaille zu werfen und den Mitgliedern eine wirklich sinnvolle und vor allem nützliche Lösung anbieten? So könnte der HDE sein Netzwerk nutzen, um schnell die Business-Seite des Geschäftsmodells zu realisieren und aus einem eigentlichen „Gesetzes-Fail“ einen Mehrwert und damit einen Kunden- und Händlernutzen zu schaffen.

 

Quellen
Die Zeit: Peter Altmaier lehnt Kassenzettel-Pflicht ab
mobiFlip: Digitaler Kassenbon NuBON macht dicht
Bundesfinanzministerium: Das Kas­sen­ge­setz für mehr Steu­er­ge­rech­tig­keit

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