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Unternehmens-übergreifende Datenökosysteme – welches Potenzial steckt dahinter?

Autor: Dr. Patrick May 

Das Wichtigste in 20 Sekunden: 

  • Manufacturing X ist eine Initiative, die den Aufbau eines unternehmens-übergreifenden Datenökosystems vorantreibt. 
  • Ziel ist es, Daten in der gesamten Fertigungs- und Lieferkette zu sammeln, sicher mit anderen Unternehmen zu teilen und zu nutzen. 
  • Dies schafft Transparenz in der Lieferkette und macht europäische Industrieunternehmen resilienter gegenüber dem internationalen Wettbewerb.  
  • Durch Manufacturing-X werden völlig neue, datenbasierte Geschäftsmodelle in der Industrie möglich. 

Die gesamte Industrie spricht über Gaia-X, Catena-X und Manufacturing-X. Und das nicht erst seit auf der Hannover Messe 2023 über den Erfolg der ersten unternehmens-übergreifende Datenökosysteme gesprochen wurde. Kein Wunder, denn solche Datenökosysteme bieten jede Menge Chancen – gerade für Industrie 4.0. Aber fangen wir ganz von vorne an. 

Was ist ein unternehmens-übergreifendes Datenökosystem? 

Ein unternehmensübergreifendes Datenökosystem ist wie eine große Datengemeinschaft, in der Unternehmen ihre Daten und Informationen mit anderen Unternehmen teilen. Dies schließt nicht nur interne Unternehmensdaten ein, sondern auch Daten von Geschäftspartnern, Lieferanten und anderen Akteuren in der Industrie. Eine solche Datengemeinschaft ermöglicht den Zugang zu einem umfangreichen und sicheren Pool an gemeinsamem Wissen und Know-how. Das können beispielsweise Markttrends und Kundenpräferenzen sein oder betriebliche Erkenntnisse und Daten zur Optimierung der Lieferkette. Es geht darum, eine digitale Kette zu schaffen, die von Daten aus der gesamten Industrie unterstützt wird. Das Ziel? Datenbasierte und damit bessere Entscheidungen zu treffen. So können Unternehmen zum Beispiel auf Störungen in Lieferketten frühzeitig reagieren, die Produktion schneller anpassen und Lieferverzögerungen vermeiden. Insgesamt sind unternehmens-übergreifende Datenökosysteme eine mächtige Ressource, die Unternehmen dabei unterstützt, effizienter, innovativer und widerstandsfähiger gegenüber Veränderungen zu werden.  

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Die Vorteile von Manufacturing-X 

  • Wissensaustausch: Das Teilen von Daten wird deutlich einfacher – branchen-, aber auch unternehmens-übergreifend. Dies fördert die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch, was zu besseren Entscheidungen und effizienteren Prozessen führt. 

  • Höhere Effizienz und Qualität: Wertschöpfungsnetzwerke lassen sich besser aufeinander abstimmen. Dies bedeutet, dass Lieferanten, Hersteller und Dienstleister reibungsloser zusammenarbeiten können, was wiederum die Effizienz und Qualität steigert. 

  • Resilienz: Mit Manufacturing-X sind Unternehmen in der Lage, auf Störungen in Lieferketten oder Produktionsprozessen frühzeitig zu reagieren. Dies ermöglicht es ihnen, flexibler in der Produktion zu sein, Lieferverzögerungen zu vermeiden, – und im Endeffekt – resilienter gegenüber dem internationalen Wettbewerb zu sein. 

  • Neue Geschäftsmodelle: Die Initiative eröffnet die Möglichkeit für völlig neue, datenbasierte Geschäftsmodelle in der Industrie. Unternehmen können innovative Ansätze entwickeln, um Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die auf den gesammelten Daten basieren. Dadurch können sie sich von der Konkurrenz abheben und neue Einnahmequellen erschließen. 

Beispiele für unternehmensübergreifende Datenökosysteme 

Fast jedes Unternehmen weiß, wie schwer es ist, seine Daten effektiv zu nutzen. Genau hier kommt das Konzept der unternehmens-übergreifenden Datenökosysteme ins Spiel – eine bahnbrechende Herangehensweise, um Daten effizienter zu sammeln, zu teilen und zu nutzen. In verschiedenen Branchen gibt es diverse Initiativen, die dieses Konzept aktiv in die Praxis umsetzen. In den letzten Monaten haben Sie sicherlich von Gaia-X, Catena-X und Manufacturing-X gehört, nicht wahr? 

Was ist der Unterschied zwischen Gaia-X, Catena-X und Manufacturing-X? 

Alle drei Initiativen, Gaia-X, Catena-X und Manufacturing-X, sind unternehmens-übergreifende Datenökosysteme. Sie unterscheiden sich in ihren Schwerpunkten, Branchen und Zielen: 

  • Gaia-X: Der Fokus von Gaia-X liegt auf der Schaffung einer sicheren und souveränen Datenplattform, die es Unternehmen ermöglicht, Daten sicher und transparent zu speichern und auszutauschen. Gaia-X hat einen breiteren Anwendungsbereich, der verschiedene Wirtschaftszweige abdeckt. 
  • Catena-X: Catena-X baut auf dem Konzept von Gaia-X auf, konzentriert sich aber speziell auf die Bedürfnisse der Automobilindustrie. Ziel von Catena-X ist es, die Lieferketten in der Automobilbranche zu optimieren und die Kommunikation zwischen verschiedenen Akteuren wie Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern zu verbessern. 
  • Manufacturing-X: Auch Manufacturing-X baut auf dem Konzept von Gaia-X auf, der Schwerpunkt von Manufacturing-X liegt allerdings in der Fertigungsindustrie. Das Ziel ist es, Daten entlang der gesamten Produktion zu sammeln, zu teilen und zu nutzen, um die Effizienz zu steigern, die Nachhaltigkeit zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.  

Manufacturing-X: Warum wird das Thema derzeit heiß diskutiert? 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert derzeit die Entwicklung eines branchenübergreifenden digitalen Ökosystems zum Datenaustausch für die Industrie mit bis zu 150 Millionen Euro. Das Ziel? Die datenbasierte Zusammenarbeit voranzutreiben und so einen Beitrag für eine wettbewerbsfähigere und nachhaltigere Industrie zu leisten. 

Wie kann Manufacturing-X in der Praxis aussehen? 

4 beispielhafte Use Cases für unternehmens-übergreifende Datenökosysteme 

1. Lieferengpasserkennung dank End-to-end-Transparenz 

Ein unternehmens-übergreifendes Datenökosystem verschafft Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Das macht es möglich, grundlegende Schwachstellen und Risiken in ihren Lieferketten frühzeitig zu identifizieren und entsprechend zu reagieren. 

2. CO2-Fußabdruck auf Knopfdruck 

Sind alle Daten digital erfasst, kann die CO2-Bilanz jedes Bauteils während seines Lebenszyklus berechnet werden. Optimierungsmöglichkeiten werden sichtbar und es besteht die Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren. 

3. Erstellung eines digitalen Produktpasses:  

In einem digitalen Produktpass werden relevanten Informationen zu Produkten, zum Material und zu den verbauten Komponenten gespeichert. Er dient als eine Art Benutzerhandbuch, erleichtert Reparaturen und ermöglicht wirksameres Recycling. 

4. Load-Shifting für energieintensive Industriebranchen:

Im Datenökosystem teilen Unternehmen ihren Energiebedarf in Echtzeit mit anderen Unternehmen und Netzbetreibern. So kann die Produktion automatisch auf die Energieverfügbarkeit und -preise reagieren, indem sie Kapazitäten zuschaltet oder herunterfährt. Die Benefits? Geringere Energiekosten und eine höhere Netzstabilität. 

Manufacturing-X = der Nährboden für neue Geschäftsmodelle 

Entscheider:innen fragen sich natürlich jetzt: Welchen Mehrwert kann ich aus der gemeinsamen Nutzung von Daten mit anderen Unternehmen ziehen? Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich durch die Teilnahme an einer Initiative wie Manufacturing-X, Gaia-X oder Catena -X? Und wie kann ich die Initiative nutzen, um mein Unternehmen voranzubringen? Fakt ist, dass solche Initiativen verändern, wie Unternehmen arbeiten, konkurrieren und Wertschöpfung schaffen. Es basiert auf dem Prinzip der offenen Zusammenarbeit. Dabei bilden Unternehmen strategische Allianzen, die gemeinsame Datenökosysteme nutzen. Die neu gewonnenen Informationen helfen, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Ideen zu entwickeln, die über ihre gewohnten Geschäfte hinausgehen. Beste Voraussetzungen für ein neues, zukunftsweisendes Geschäftsmodell – nennen wir es Businessmodel-X! 

Das Businessmodel-X – Utopie oder Zukunft? 

Die Idee ist einfach: Wenn Industrieunternehmen Daten in unternehmensübergreifenden Ökosystemen teilen und nutzen, eröffnen sich neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle. Der Kerngedanke dabei ist, dass kein einzelnes Unternehmen alle erforderlichen Ressourcen, Fähigkeiten oder Kenntnisse besitzt, um langfristig in der heutigen VUCA-Welt erfolgreich zu sein. 

Durch die Nutzung eines unternehmensübergreifenden Datenökosystems erhalten Unternehmen Zugang zu verschiedenen Datensätzen, Fachkenntnissen und Perspektiven. Das ermöglicht ihnen, neue Geschäftsideen zu entwickeln, die über ihr derzeitiges Kerngeschäft hinausgehen und möglicherweise völlig neue Wertschöpfungswege erschließen.  

Tatsache ist, dass unternehmensübergreifende Ökosysteme einen Mehrwert für Kunden schaffen, indem sie dazu beitragen, Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, die Auswahl zu erweitern und maßgeschneiderte Lösungen bereitzustellen. Dies kann die Zufriedenheit der Kunden steigern und dazu führen, dass sie Produkte und Dienstleistungen positiver bewerten und häufiger nutzen. Die Grafik zeigt, wie unternehmens-übergreifende Ökosysteme den wahrgenommenen Wert eines Produkts in den Augen der Kunden signifikant steigern können: 

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Die Grafik zeigt die Entwicklung des wahrgenommenen Mehrwertes mit der Anreicherung der Produkte durch Services und Dienstleistungen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile des Datenaustauschs in solchen Ökosystemen und treiben deren Entwicklungen voran. Doch wie so oft sind Frontrunner und Start-ups schon dabei, die neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen, um sich Marktanteile zu sichern. Höchste Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und das Businessmodel-X Ihres Unternehmens mit unseren Expert:innen weiterzudenken. 

Gehen Ihnen jetzt 1000 Fragen durch den Kopf? 

Sie fragen sich jetzt sicherlich: Wie kann ich sicherstellen, dass ich die Kontrolle über meine Daten behalte? Wie hoch ist der Aufwand für die Implementierung und den Betrieb? Welche Unternehmen sind schon Teil von unternehmens-übergreifenden Datenökosystemen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, um in solche Datenökosysteme einzusteigen? Wir versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Lassen Sie uns diskutieren, wie Sie unternehmens-übergreifende Datenökosysteme für Ihre Geschäftsmodelle nutzen. Ich freue mich auf unseren Austausch! 

 


 

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Autor: Dr. Patrick May